Die Erbauung


Kein Geringerer als Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen (*1503/†1554), auch der „Großmütige“ genannt, war es, der sich in das romantische Waldfleckchen und weitläufige Jagdgebiet mit Blick auf vier Täler in Wolfersdorf verliebte. Ganz in der Nähe, in Trockenborn, stand bis 1547 sein im 15. Jahrhundert erbautes Jagdschloss, welches aber im Schmalkaldischen Krieg von spanischen Truppen zerstört wurde. Noch in Gefangenschaft, in die er nach verlorener Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 geraten war, entschied Johann Friedrich I., „zur Nothdurft und nicht zum Überflusse ein Jagdhaus zu bauen“ und zwar in der Nähe der St. Elisabetherheide in Wolfersdorf.  Er  beauftragte einen bedeutenden Vertreter der Frührenaissance des 16. Jahrhunderts, den ernestinischen Baumeister Nickel Grohmann (*um 1500/†1566), die entsprechenden Pläne zu entwerfen. Grohmann setzte seinen Visionen von 1547 bis 1550 um und schuf ein einmaliges Kleinod inmitten eines künstlich aufgestauten Teiches.
Bereits während des Bauvorhabens hatte Johann Friedrich I. Tücher und Gemälde, geschaffen von Lucas Cranach dem Älteren (*1472/†1553), seinem treuen Begleiter während der Gefangenschaft, nach Wolfersdorf schicken lassen.  Endlich am 27. August 1552 in Augsburg aus der Gefangenschaft entlassen, konnte der ehemalige Kurfürst am 15. September selbst sein neues Jagdschloss sehen. Auf der so genannten „Kurfürstenbrücke“ nahe dem Schloss traf Johann Friedrich I. zum ersten Mal seit seiner Gefangennahme am Mühlberg wieder mit seiner Familie zusammen. Aufgrund der Freude über das Zusammentreffen soll er verfügt haben, dass man dieses Schloss fortan „Fröhliche Wiederkunft“ nennen sollte. Tatsächlich taucht der Name „frohlichen Wiederkunfft“ das erste Mal in einem Brief vom 27. Dezember 1552 auf.



Historisch gesehen ist das Schloss nicht nur eingebunden in das Leben Johann Friedrichs I., dem Begründer der „Hohen Schule“ (1548) und späteren Universität Jena (1558), sondern auch in die Geschichte der religiösen Bewegung des 16. Jahrhunderts, der Reformation, deren Förderer Johann Friedrich I. im Besonderen gewesen war. Für seinen Einsatz als unbeugsamer Streiter für die neuen Lehren der Reformation und als Gönner Martin Luthers steht auch sein weithin bekannter Beiname „der Großmütige“.
Im 16. und 17. Jahrhundert diente das Schloss seinem Hauptzweck, der Jagd.  Zur Unterbringung großer Jagdgesellschaften war es dementsprechend reich mit Nutzinventar wie Betten und Tafelgeschirr ausgestattet. Ansonsten war das Schloss eher spartanisch ausgestattet. Neben einer Turmuhr gab es auch eine Glocke im Schloss. Die Glocke wurde um 1492 von einem Glockengießer des Neustädter Kreises, einen gewissen Andreas Heiner gegossen, welchem noch drei weitere Glocken im Neustädter Kreis zugeschrieben werden können. Da die Glocke mit liturgischen Symbolen versehen ist, ist davon auszugehen, dass sie aus einer Kirche stammt und vermutlich erst während oder kurz nach dem Ende des Schmalkaldischen Krieges in das Schloss gekommen ist.
Strukturell gehörte das Wasserschloss zum Amt Leuchtenburg und spielte als Verwaltungseinheit in diesem Amtsbezirk eine wichtige Rolle im jagd- und forstwirtschaftlichen Betrieb, insbesondere da der Holzverkauf einer der wichtigsten Einnahmequellen des Amtes darstellte.  Im Schloss selbst war seit dem 16. Jahrhundert die Forstverwaltung und Försterwohnung für das Forstrevier „Fröhliche Wiederkunft“ untergebracht, wobei Revier und Personal direkt dem Forstamt Hummelshain unterstand.
Für eine bedeutende Rolle sprechen auch die erheblichen Ausgaben für Reparaturen und auch Erweiterungen der Gebäude im Schlossareal in der zweiten Hälfte des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.  In diese Zeit fallen z. B. der Einbau einer neuen Bratküche und die Errichtung der Steinbrücken als Ersatz für die hölzernen Zugangsbrücken.
Für um 1620 ist belegt, dass vor den Toren der „Fröhlichen Wiederkunft“ ein Findelkind abgelegt wurde, für welches das Amt jährlich den Unterhalt aufbrachte.



Allmählicher Bedeutungsverlust



Ab der Mitte des 17. Jh. rückte das Schloss immer mehr aus dem Interessenshorizont der Obrigkeit. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, legten die Fürsten ihr Hauptaugenmerk auf die Jagdanlage in Hummelshain. Dort bauten sie nicht nur ein neues Schloss (1667-1669), sondern erweiterten Anfang des 18. Jahrhunderts auch die Jagdanlagen erheblich.
Weiterhin wurde das gesamte Inventar des Trockenborner Zeughauses nach Hummelshain verlegt, wo 1714 für die stark erweiterte „Jagdanlage Rieseneck“ ein neues und größeres Zeughaus erbaut wurde.  „Höfische Jagden“ wurden nun vor allem im Hummelshainer Jagdrevier ausgeübt und die „Fröhliche Wiederkunft“ nur noch „am Rande“ durch die Fürsten genutzt. Aufgrund dieser Entwicklung wurde in die herrschaftlichen Gebäude in Wolfersdorf immer weniger Geld investiert. Gebäude wurden nur noch notdürftig repariert, da selbst für dringende Reparaturen nur das Allernötigste ausgegeben werden konnte. 1726 bangte der Förster Wolf Heinrich Clauder  stündlich um einen „Überfall“ der Gebäude, weshalb er eine neue Wohnung im Schloss benötigte. Sein Nachfolger Wolf Gottfried Clauder musste 1744 für eine Hochzeit seines Bruders Möbel und sogar Küchengeräte aus dem Hummelshainer Schloss herbeischaffen, weil in Wolfersdorf nichts Entsprechendes vorhanden war.  
Aufgrund des drohenden Spanischen Erbfolgekrieges ließ Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (*1676/†1732) zwar für fast 8.000 Gulden um 1700 eine Kaserne zur Unterbringung von Dragonern im Schloss bauen. Doch selbst dieses Gebäude musste um 1800 aufgrund des desolaten Zustandes wieder abgetragen werden.
Der Verfall des Schlosses setzte sich noch bis Ende des 19. Jahrhundert fort: 1816 war die Holzkonstruktion des Heubodens so verfault, dass ein Dienstbote durch das Dach fiel; in den 1850er Jahren wären Teile des Schlosses fast eingestürzt. Trotz dieser Verhältnisse waren noch bis 1918 die Forstverwaltung und eine Försterwohnung im Schloss untergebracht.



Wiederentdeckung und Restaurierung


Erst in den 1850er Jahren, als Herzog Joseph von Sachsen Altenburg (*1789/†1868) das Schloss neu entdeckte, wendete sich das Schicksal. Der hochkonservative Fürst hatte sich nach seiner Abdankung während der Revolution 1848 mit der Geschichte seines Hauses befasst und ein reges Interesse an den „großen Ahnen“ seiner herzoglichen Linie an den Tag gelegt. Dabei beschäftigte er sich besonders mit Johann Friedrich I. und dessen Gefangenschaft bzw. „Leidensgeschichte“.  Die „Fröhliche Wiederkunft“ nahm im Kontext dieser Johann-Friedrich-Rezeption des 19. Jahrhunderts, die sich auch in weiten Teilen der Gesellschaft manifestierte, natürlich eine besondere Stellung ein. Lange schon hatte Herzog Joseph den schlechten Zustand des Schlosses bedauert, weshalb er 1857 plante, zunächst einige Räume des Schlosses zu restaurieren. Den endgültigen Ausschlag für die Restaurierung des Schlosses gab allerdings die Einweihung des „Hanfried“-Denkmals 1858 auf dem Jenaer Marktplatz.  Das Denkmal für den Kurfürsten, in Jena auch Hanfried genannt, war vornehmlich ein bürgerliches Projekt, zu dem Herzog Joseph die Restaurierung des Schlosses als klares Gegenkonzept sah. Seinen Plan hielt er zunächst geheim, wollte er doch seinen Neffen, den regierende Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg (*1826/†1908), damit überraschen. Die Einweihungsfeier des Prinzensaales am 25. September 1858 wurde ein Triumph, in dessen Folge die gesamte herzogliche Familie (hier vor allem die Töchter Herzog Josephs) den Plan des Herzogs, dass gesamte Schloss auszubessern, durch großzügige Spenden unterstützte. Bis 1865 schaffte er es, die „Fröhliche Wiederkunft“ nicht nur im Äußeren komplett im neogotischen Stil zu restaurieren, sondern auch im Inneren äußerst prunkvoll auszustatten. Es verwundert deshalb nicht, wenn sich die Gesamtkosten für die Restaurierung auf weit über 20.000 Taler erstreckten. Bereits während der Restaurierungsphase kamen viele Adelige aus ganz Europa, um in Wolfersdorf zu residieren: so z.B. der König von Schweden, König von Griechenland, König Georg V. von Hannover, König von Sachsen, Großherzog von Weimar, Großherzog von Oldenburg und Großfürst von Russland.  Herzog Joseph selbst nutzte das Schloss bis zu seinem Tod 1868.  Herzog Ernst I.  erfüllte später Josephs testamentarischen Wunsch zur Einrichtung einer „Stiftung zur Erhaltung der Fröhlichen Wiederkunft“ sowie zur Durchführung einer alljährlichen Gedächtnisfeier an Josephs Geburtstag (27.08.) zur Erinnerung an ihn und den großen Ahnherrn Johann Friedrich I.



Das Schloss von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts

Bis zu ihrem Tod  nutzte die Prinzessin Therese von Sachsen-Altenburg (*1823/†1915) regelmäßig das Schloss als Sommerresidenz (im Winter war die Wasserversorgung im Schloss nicht gewährleistet).   Durch die ständige Nutzung und der Absicherung durch die o.g. Stiftung konnte das Schloss in gutem Zustand gehalten werden.  Es gab extra eine „Schlossaufseherstelle“ und einen Angestellten zum Aufziehen der Turmuhr. In dieser Zeit lag das Zentrum der herzoglichen Jagd zwar immer noch klar in Hummelshain – Herzog Ernst I. ließ 1880 sogar ein weiteres Schloss dort bauen, jedoch wurde die „Fröhliche Wiederkunft“ wieder häufiger in das Jagdgeschehen einbezogen. So z. B. 1894 zur Kaiserjagd, als Kaiser Wilhelm II. (*1859/†1941) während einer Führung durch das Schloss reges Interesse an der Geschichte gezeigt haben soll.
Nachdem die Prinzessin Therese gestorben war, entschloss sich Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg (*1871/†1955) kurz nachdem er 1918 Abdanken musste, in das Schloss nach Wolfersdorf zu ziehen.  Ernst II. hielt sich schon in den Jahren zuvor am liebsten in der „Fröhlichen Wiederkunft“ auf, da für ihn der Aufenthalt in Hummelshain stets der „unsympathischste“ gewesen war.  Anfang 1922 verlegte Herzog Ernst II. mit seiner zweiten Frau Maria Triebel (*1893/†1957) den ständigen Wohnsitz nach Wolfersdorf.  Um in dem Schloss auch das ganze Jahr über wohnen zu können, ließ er in den 1920er und 1930er Jahren umfangreiche Modernisierungsarbeiten durchführen.   Zu den Modernisierungen zählte neben einer Zentralheizung und einem Fahrstuhl sogar eine Sternwarte, die er auf dem Südflügel anbringen ließ.  Dort führte er zusammen mit einem Astronomen moderne Forschungen durch.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel das Schloss unter die Bodenreform, doch der „Freiherr von Rieseneck“ – wie Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg sich seit 1934 nannte – bekam aufgrund seiner guten Beziehungen zu der sowjetischen Militärverwaltung als einziger ehemaliger Bundesfürst in der DDR offiziell ein lebenslanges Bleiberecht. Bis zu seinem Tod durfte er als „Schlossverwalter“ im Schloss wohnen. Da das Wohnrecht nur für Ernst II. galt, musste seine Frau 1955 aus dem Schloss ausziehen. Sie verstarb 1957 in der nahe gelegenen Rothenhofmühle. Zwischen 1948 bis 1955 wurde das Hauptschloss als Sommer-Erholungsheim der Universität Jena genutzt.



Das Wasserschloss als Jugendeinrichtung

Nach dem Tod Ernst II. wurde das Schloss „Volkseigentum des Bezirkes Gera“.  Die Universität versuchte zunächst ein Museum einzurichten, allerdings suchte zeitgleich der Jugendwerkhof „Neues Leben“ aus Klosterlausnitz eine Unterkunft und bekam das Schloss als neue Bleibe zugeteilt.  Das bereits in den Nachkriegsjahren stark geschrumpfte Inventar wurde größtenteils an thüringische Museen übergeben, vieles wurde aber auch entwendet. Vier sehr wertvolle Gemälde, welche Szenen aus dem Leben Johann Friedrichs I. zeigen, kamen nach Berlin und befinden sich heute im „Deutschen Historischen Museum“. Diese Gemälde stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden 1858 von Herzog Joseph im Altenburger Schloss zwischen anderen abgestellten Bildern wieder „entdeckt“ und kamen nach ihrer Restaurierung in die „Fröhliche Wiederkunft“.
Für den Jugendwerkhof „Neues Leben“, einem Spezialheim der „Jugendhilfe“ der DDR mit Ausbildungsbetrieb zur Erziehung schwer erziehbarer Jugendlicher, wurden die Räumlichkeiten entsprechend angepasst und im Stil der DDR umgebaut.  Nach 1990 wurde der Heimbetrieb umstrukturiert, dem „Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit“ angegliedert und erhielt den Namen „Thüringer Jugendlernhof Wolfersdorf“. 1991 arbeitete man an einem umfassenden Konzept zur Restaurierung der sanierungsbedürftigen Gebäude, doch konnten unter Leitung der Denkmalbehörde nur zwei Räume des Hauptgebäudes zusammen mit den Jugendlichen restauriert werden. Von 1999 bis 2001 wurde der Westflügel fast komplett abgerissen und in moderner Gestaltung neu aufgebaut. Nur zwei Außenmauern blieben erhalten.
Die Jugendeinrichtung wurde 2004 privatisiert und der Ausbildungsbetrieb eingestellt. Neuer Träger wurde der „Wendepunkt e. V.“.



Gegenwart und Zukunft

Seit September 2007 versucht nun, nach dem Kurfürsten Johann Friedrich, den Herzögen von Sachsen-Altenburg, der DDR und dem Freistaat Thüringen, eine neue Schlossverwaltung ihr Glück. Bereits begonnene Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen künden von einer gelungenen neuen ,,fröhlichen Wiederkunft“.  Zurzeit werden zwei Hauptanliegen verfolgt:
Zum einen die Restaurierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten mit Rückbau der DDR-lastigen Einbauten. Dabei hat sich glücklicherweise erwiesen, dass unter Linoleum, Fliesen und abgehangenen Decken aus der DDR-Zeit teilweise noch originale Dielung, Stein- und Holzfassungen sowie alte Kassettendecken vorhanden sind. Zum anderen soll das Schloss der Öffentlichkeit umfassend zugänglich gemacht werden. Dafür ist vorgesehen, die alten Gemächer im Stil der Renaissance und der Neogotik wieder entstehen zu lassen und ein Museum mit zum Teil originalem Inventar aufzubauen. Die ersten „Meilensteine“ für dieses Gesamtprojekt sind schon realisiert: Das Museum der Leuchtenburg hat bereits viele Inventarstücke als Leihgabe wieder an die „Fröhliche Wiederkunft“ zurückgeführt. Mit anderen Museen wird derzeit verhandelt und soll Ähnliches erreicht werden.


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